Es war ein lauer Sommerabend, ich sass in meinem Office und arbeitete noch am PC. Ich konnte über dem Gemüse- und Baumgarten die herauf kommende Nacht sehen. Das letzte Abendrot, das sich in den kleinen Wolken am Himmel spiegelte, wurde allmählich dunkler und die Nacht senkte sich über uns, mit der typischen australischen Dunkelheit. Aus dieser Dunkelheit heraus erstrahlten die Sterne immer heller, immer deutlicher und erleuchteten das ganze Universum. Man konnte die einzelnen Sternenwolken sehen, und je länger man in den Himmel schaute, desto klarer zeigte sich das Unendliche in verschiedenen Dimensionen. Man konnte die Tiefe des Universums sehen - unendlich wunderbar.
Als der Mond sich am Horizont zeigte, wurde es heller. Der Mond leuchtete in seiner ganzen Intensität, ein gleissendes Licht, obwohl er doch gerade erst die Hälfte seiner ganzen Grösse präsentierte.
Es war noch nicht Vollmond, aber man konnte schon den Schatten der ganzen Rundung sehen. Die Dunkelheit wich einem hellen, weichen Mondschein, der die Grashalme und die Blätter der Pflanzen und Bäume glitzern liess.
Ein mystisches Licht! Licht und Schatten waren scharf abgetrennt. Die Geräusche der Natur erwachten von neuem. Die Macpies (meine speziellen Vogel-Freunde Jonny und Joanna) stimmten noch an zum letzten Gute-Nacht-Lied und andere Nachtvögel stimmten in diese Gesänge ein. So wurde aus dem wunderschönen vergangenen Tag ein neuer Beginn, mit einer neuen Nacht, im strahlenden Lichte des Mondes und der Sterne.
Der vergangene Tag war warm gewesen, voll Sonnenschein. Vom Meer her wehte eine starke kühle Brise und hatte diesen Tag sehr angenehm für uns gemacht.
Der Gemüsegarten allerdings lechzte nach Wasser. Bei dem starken Wind trocknet der sandige Boden schnell aus. Wir können die Sprinkler bei solchem Wind am Tage nicht laufen lassen. Erst am Abend, wenn der Wind sich gelegt hat, können wir mit dem Bewässern des Gartens beginnen. Wir verfügen über genügend Wasser, was nicht selbstverständlich ist in Australien. Wir sind glücklich eine eigene Wasserbohrung zu haben. Wir pumpen unser Wasser von einem Grundwassersee in 120 Meter Tiefe. Das Wasser ist von recht guter Qualität. Es schmeckt ein bisschen salzig und ist stark mit Mineralien angereichert. Für den Garten ist es alleweil gut genug. Die Pflanzen auf unserem Grundstück haben es bis jetzt jedenfalls sehr geschätzt, wenn sie in der sengenden Hitze einen Schluck Wasser zur Erfrischung bekommen haben. Verbunden mit dem Morgentau sind die Pflanzen stark und bereit für den nächsten sonnigen Tag.
So gegen zehn bin ich aus meinem Office in den Garten spaziert, habe den Mond und die Sterne beobachtet. Das Mondlicht ergoss sich über die ganze Szenerie, über die Bäume, die Felder bis zur dunklen Siluette der Berge im Hintergrund. In weiter Ferne sah man die Lichter einer kleinen Ortschaft am Fusse der Berge. Man hörte vom Garten her nur die Wasserpumpe surren und die Wassersprinkler leise zischend ihre Kreise ziehen. Ich spazierte zum Wassertank und stellte die Pumpe ab und das Geräusch der Wassersprinkler verstummte augenblicklich. Es war einfach herrlich, diese absolute Stille einer australischen Nacht im now now. Nur die feinen Nachtgeräusche der Natur waren zu hören, nicht ein Hauch von Wind ist zu spüren.
Ich genoss diesen friedlichen Anblick in tiefen inneren Frieden, im Bewusstsein diesen Platz verlassen zu müssen.
Nach einer Weile des Seins mit diesem Gefühl machte ich mich auf, um zurück in unser Cottage zu gehen. In diesem Moment sah ich einen Lichtstreifen ca. einen Meter über dem Boden, direkt vor mir. Ein Licht, das ich noch nie gesehen habe, es schwebte über dem Boden und veränderte fortwährend seine Form. Das Licht war innen gleissend hell, mit einer blauen Aura und in ständiger Bewegung, wie eine kleine Wolke. Es war nicht grösser als 20 bis 30 cm. Ich traute meinen Augen nicht, ich wischte mit der Hand über meine Augen.
Die leuchtende kleine Mini - Wolke war immer noch da, bewegte sich hin und her in alle Richtungen und veränderte seine Dichte. Ich streckte meine Hände nach ihm aus und sie haben sich mit diesem Licht, mit feinen Lichtbändern, verbunden und die kleine Wolke verwandelte sich in eine durchscheinende Kugel mit lauter Lichtpunkten darauf. Einfach herrlich. Ich ging noch näher an sie heran, bis sie nur noch einen Schritt von mir entfernt war. In diesem Moment verdichtete sich die Energie, sie war nicht grösser als ein Tennisball. Aber sie blieb nicht kugelrund, sondern veränderte weiterhin laufend ihre Form. Auch veränderte sich die Lichtfrequenz. In schnellen Impulsen hüpfte sie auf und ab, sich fortbewegend wie ein Schmetterling, wie eine Libelle, deren Flügel die schnellen Impulse der Energie darstellen, mit einem weissen durchsichtigen Schleier hinter sich lassend in den nächsten Baum.
Bei der Berührung des Baumes, auf einem Ast, hat sich diese Energie oder dieses Energiefeld platziert und ist erloschen und war nicht mehr sichtbar. Verschwunden ins Nichts, wie es sich aus dem Nichts gebildet hatte. Die vielen Licht-Partikel um mich herum sind auch langsam erloschen.
Ich weiss nicht wie lange diese Begegnung gedauert hat. In solchen Momenten scheint die Zeit stehen zu bleiben. Ich begab mich zu dem Baum, um diese Energie nochmals zu spüren, es rührte sich aber nichts mehr.
Ich habe mich bedankt mit dem Bewusstsein, mit einer Energie in Berührung gekommen zu sein, die meine Wahrnehmung verändert hat. Ein wunderbares Erlebnis, das sich mir eingeprägt hat. Mit dieser Begegnung bin ich einen Schritt näher zu meiner Wahrheit gelangt.
(C) Copyright by Hannes Guggenbühl, im Juni 2005