Eighty-Mile-Beach Australien

Eighty-Mile-Beach

Bild © by Hannes Guggenbühl

Warum bin ich noch auf dieser Welt?

Es war im Jahre 1989 auf unser Ferientour kreuz und quer durch Australien. (45'000 km in einem Jahr) Wir fuhren auf dem Highway Number One von Broom nach Port Hedland (vom Northern – in das Westernterritory) und haben an der Eighty Mile Beach zwischen Broom und Port Hedland auf einem Carawanpark rast gemacht.
Der Strand hat eine Läge von etwa 220 km Länge, ein wunderschönen Ausblick über das Meer mit einem grossartigen Korallenriff.
Im Caravan-Park gab es einen kleinen Shop in dem man Schnorchel, Taucherbrille und Flossen mieten konnte um das Meer zu erkunden. Als gut ausgebildeter Taucher konnte ich es mir nicht verkneifen das riesige Riff zu erkunden. Das Wasser war warm und nur ca. 3 Meter tief. Das Meer war ruhig und die Lufttemperatur so gegen 40 Grad. Meine Frau machte es sich am praktisch menschenleeren Strand bequem und hat sich in ihr Buch vertieft. Es war ein fach herrlich!

Schon in den ersten Metern im Wasser offenbarte sich ein Unterwasserwelt mit Korallen und einer grossen Fischvielfalt wie ich sie aus anderen spektakulären Orten in Australien erleben durfte. Dieser Teil des riesigen Küstengebietes von Australien war, oder ist es noch, unberührt.

Und so paddelte ich leicht vor mich hin und habe mich nach den Schwärmen von Fischen gerichtet. Die Sichtweite war grossartig so gegen 50 Meter. Dann wurde das Wasser dunkelblau. Das Wasser war immer noch so gegen 3 bis 4 Meter tief, da hat sich nichts verändert und die Farben der Fisch reflektierten sich im Sonnenschein.
Ich habe nicht gemerkt wie die Zeit verflogen ist. Es war einfach faszinierend ruhig vor sich hin zu paddeln. Irgend wann bin ich mal aufgetaucht und wollte mich Orientieren wo ich eigentlich bin.

Aber oha lätz, als ich mich umschaute war gar kein Land mehr in Sicht! Da musste ich in eine leichte Strömung gekommen sein ohne es zu bemerken die mich in das offene Meer treibt. Das kann doch nicht sein, ich und das Meer ganz alleine, nichts als Wasser um mich herum! Irgend wo muss doch die Küste sein!
Ich versuchte mich aus dem Wasser zu paddeln um einen besseren Überblick zu bekommen, aber nichts war zu sehen. Ich versuchte es noch ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal und wider nichts. Was mach ich jetzt? Das Meer war ruhig, keine grössere Wellen. Und ich fragte mich in welche Richtung bewegen sich die Wellen, denn da müsste ja auch die Küste sein! Auch dadurch konnte ich keine Richtung fest stellen. Als ich so über die Wellen schaute, sah ich plötzlich wie sich eine grössere Welle in meine Richtung bewegte und ich paddelte wie die Wellensurfer auf diese Welle zu und als ich auf dem Kamm der Welle war sah ich tatsächlich die Küste als kleiner Streifen am Horizont. Wie weit die Entfernung war konnte ich natürlich nicht fest stellen. Aber ich hatte eine Richtung in der ich mit meinen Flossen los paddeln konnte. Und tatsächlich nach einer längeren Zeit konnte ich die Küste wieder sehen und paddelte stetig in ruhe immer der Küste entgegen.
Ich weiss nicht wie lange ich mit den Flossen gepaddelt habe bis ich die Küste erreicht hatte. Ich war ziemlich erschöpft und musst mich zuerst mal hinsetzen.



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An der Küste war weit und breit niemand zu sehen. In welche Richtung soll ich jetzt an der Küste gehen? Ein wunderschönen Sandstrand wie im Bilderbuch, die Dünen mit dem dunkel orangenen Farbton. Die Sonne hat sich schon weit nach Westen bewegt und so lief ich mal in die Gegenrichtung vorwärts den Strand entlang. Ja irgendwo musste ja der Caravan-Park zu sehen sein. Tatsächlich nach einer guten halben Stunde (ca, 2 km) sah ich die ersten Fischer am Strand. Das hat mich ja mächtig abgetrieben. Und kurze Zeit später fand ich meine Frau immer noch lesend am Strand. Sie hat ebenfalls nicht bemerkt, dass ca. 2 Std. vergangen waren bis ich zurück fand.

Allerdings bis am Abend zum Sonnenuntergang wurde mein linker Arm immer mehr geschwollen und ein sehr starker Schmerz weitete sich in meine Schulter aus. Es zeigte sich auch ein starker roter Streifen in meiner Achselhöhle.
Am nächsten Morgen konnte ich meinen Arm kaum mehr bewegen. Ein Arzt war auch nicht in der Nähe und so wurde uns empfohlen schnellst möglich nach Port Hedland zu fahren. Waren ja nur 280 km!
Die Ärzte konnten auch nichts feststellen was mich da im Meer für ein Fisch oder Qualle gestreift hatte. Ich bekam Antibiotika und Schmerzmittel was auch wirklich nicht viel half. Ich setzte mich mit einem Freund in Perth in Verbindung der an der Universität für Meeresbiologie arbeitete und fuhren auf dem schnellsten Weg (1'322 km) zu ihm.
Auch die weiteren Untersuchungen ergaben nichts neues. Man hat die Medikamente noch optimiert und nach mehren Wochen war der Spuk verheilt und ich konnte meinen Arm wieder normal gebrauchen.

In Nachhinein habe ich fest gestellt, ich hatte in keinem einzigen Augenblick Angst oder Panik und bemerkte mit diesem Erlebnis, ich hatte eigentlich noch nie Angst gehabt bis zum heutigen Tag. Ich war immer absolut Präsent in jeder Situation in meinem Leben.

Und so freue ich mich des Lebens und bin dankbar. Die Erkentnis aus diesem Erlebnis, Angst ist etwas das ich nicht kenne und auch nicht kennen lernen will. Angst ist eine Illusion die mir nicht dienlich sein kann.

Alles könnte zu jeder Zeit auch ganz anders sein

Herzlichen Dank

Vielleicht, eventuell, es wäre möglich, aber ganz sicher!
Hannes Guggenbühl


Geschrieben: Oktober 2008
Veröffentlicht: 03.12.2018